Zweiter Platz beim FidZ-Wettbewerb in Hamburg

Hamburg. Ein wenig verschlafen treten die Schüler des Heisenberg Gymnasiums in die recht überfüllte S-Bahn am Harburger Rathaus. Es ist sieben Uhr morgens. Trotzdem ist die Motivation für den heutigen Tag spürbar. „Lasst uns das Ding heute gewinnen, Jungs“, sagt einer von ihnen und lacht. Es geht um den schulübergreifenden „FidZ-Wettbewerb“ (Finanzen in der Zukunft).

Im Planspiel FidZ entscheiden die Spieler in Gruppen darüber, welche Politik in Hamburg in den kommenden 20 Jahren verfolgt wird. Sie gestalten die Zukunft der Hansestadt, indem sie in mehreren aufeinander folgenden Perioden festlegen, wie viel Geld in die einzelnen Aufgabenbereiche der Öffentlichen Hand fließen soll und wie die geplanten Vorhaben zu finanzieren sind.

Bereits vor wenigen Wochen wurde das Spiel, im schulinternen Kreise, mit dem Politik-Profil und Wirtschaftskurs (S3) von Marco Malitius gespielt. Als eine der erfolgreichsten Schulen wurde das Heisenberg Gymnasium jetzt zu einem Wettbewerb zwischen nun noch vier Schulen Hamburgs eingeladen.

Es ist weiterhin dunkel, als die sechs Schüler aus der Bahn steigen und mit dem Bus Richtung Bramfeld fahren. Pünktlich um acht Uhr öffnet sich die Eingangstür des Vattenfall-Gebäudes - und es kann losgehen. Eigentlich. Allerdings ist um acht Uhr kein anderer Schüler zu sehen. Und nach einigen Recherchen wird klar, dass der Wettbewerb erst um elf, und nicht wie gedacht um acht Uhr beginnt. Im nächsten Bauhaus hat allerdings ein Bäcker geöffnet - und so kann die Gruppe noch etwas wacher werden.

Um halb elf trudeln dann schließlich die ersten, ausgeschlafenen Schüler des Gymnasiums Corveystraße und wenig später die Schüler der Stadtteilschule Niendorf ein. Das Gymnasium Bondenwald wird im Laufe des Tages nicht mehr kommen, sodass der Wettbewerb zwischen drei Schulen stattfindet.

Nach der Einleitung und den netten Begrüßungsworten der Leiterin des Spiels, Frau Nitt-Drießelmann, kann es dann schließlich losgehen. Sebastian Vesper, Louis Krause, Björn-Felix Dettmar, Mio Al-Hashimy, Henrik Winter und Paul Schade beginnen mit den ersten zwei Spielperioden (10 Jahre) des Planspiels FidZ. In den Bereichen Bildung, Soziales, Justiz, Bauen und Verkehr, Wirtschaft und Finanzen kann nun unter Berücksichtigung der Steuereinnahmen investiert und gespart werden. Das System berechnet am Ende einen Zukunftsindex, der sich aus der Lebensqualität, Schuldentilgung und Beschäftigung bildet. Je höher der Index, desto besser das Endergebnis. Am Ende der zweiten Periode steht das Heisenberg Gymnasium auf Platz zwei.

Es folgen eine Mittagspause, mehr oder weniger nette Gespräche mit Schülern der anderen Schulen sowie ein Treffen mit den Hamburger Politikern Farid Müller (Die Grünen) und Jennyfer Dutschke (FDP), die eigentlich auf Fragen der Schüler antworten sollen, um diesen beim Planspiel zu helfen, die Redezeit allerdings lieber dafür nutzen, um Wahlreden zu halten und sich gegenseitig Fehler in Hamburgs Politik zuzuschreiben. Beide Politiker fokussieren sich außerdem auf den Aspekt der Bildung, in den beide Parteien in Zukunft stark investieren wollen.

Amselm Sprandel beendet schließlich die hitzige Politdiskussion mit seiner Ankunft. Der Leiter des Zentralen Koordinierungsstabs Flüchtlinge (ZKF) kümmert sich aktuell um die Unterbringung der Neuankömmlige aus dem Ausland und hilft Ihnen bei der Wohnungssuche. Während der ebenfalls anwesende Pressesprecher fleißig Fotos knipst, beantwortet Sprandel interessante Fragen zur Flüchtlingsunterbringung. Er betont, wie schwer es ist, genug Platz für alle Flüchtlinge zu finden und diese gut zu integrieren - und er warnt davor, das Problem zu früh für beendet zu erklären. In seinem Augen wird Deutschland noch viele Jahre mit dem Flüchtlingszustrom von 2015 zu kämpfen haben. Und auch die Wirtschaft Hamburgs werde darunter leiden.

Wie schnell eine Wirtschaft einer Großstadt wie Hamburg unerwartet einbrechen kann, wird dann in den letzten zwei Spielperioden deutlich. Es stehen weniger finanzielle Mittel zur Verfügung – die Arbeitslosenzahl steigt enorm an. Das Heisenberg Gymnasium kämpft mit allen Möglichkeiten gegen die Krise an, am Ende liegen vier winzige Indexpunkte zwischen Platz eins und zwei. Leider muss sich das Heisenberg Gymnasium mit dem zweiten Platz, hinter dem Gymnasium Corveystraße zufrieden geben - und dennoch ist es ein riesiger Erfolg für die Schule. Zudem ist das Heisenberg Gymnasium um 500 Euro reicher. Der Scheck wird vom Präsidenten des Bundesrechnungshofes Dr. Stephan Schulz übergeben.

Um 19:00 Uhr ist der Wettbewerb dann vorbei. Knapp 11 Stunden im Vattenfall-Gebäude haben sich gelohnt. Das eine oder andere Lachsbrötchen wird noch verzehrt und der letzte Sekt getrunken, dann geht es mit Bus und Bahn zurück nach Harburg. Am Ende wird noch über den Geldgewinn diskutiert: „Das Geld behalten wir selber“, sagt ein Schüler und lacht. „Damit bezahlen wir den Champagner beim Abi-Ball“, witzelt ein anderer. Erschöpft aber glücklich steigen die sechs Schüler am Harburger Rathaus aus der Bahn und laufen in die Dunkelheit.

11. November
Paul Schade, S3
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