Jugend trainiert für Olympia

EIN TRAUM WIRD WIRKLICHKEIT

Eine riesige Anlage, etliche verlassene Fußballplätze und wir stehen ganz allein mittendrin. Das Geräusch der Pfeife, die das letzte Spiel der vorherigen Runde beendet, fühlt sich an wie ein sauberer Schnitt durchs Trommelfell. Das besiegte Team kommt mit geknickten Köpfen vom Feld gestapft. Jäh schießt uns durch den Kopf, dass auch wir am Ende des Tages so aussehen könnten. Doch daran will noch keiner denken. In der bereits zweiten Runde des Hamburg-weit ausgetragenen Fußballturniers von Jugend trainiert für Olympia treten die stärksten Schulmannschaften der Mädels noch einmal gegeneinander an, bevor es dann gegen die anderen Bundesländer nach Berlin geht. Eine große Ehre und greifbar nah.

Sieben Mannschaften

Als jedoch die anderen Mannschaften nach und nach eintrudeln, sinkt unsere Zuversicht. Sieben Mannschaften sind es an der Zahl und die haben es in sich. „Die spielen alle beim HSV“ höre ich Lotta sagen, „die da hinten ist im Nationalteam und die Mannschaft da vorne kommt von einer Sportschule“. Jörg Berthold, der als Betreuer mitgekommen ist, erweist sich als eine große Hilfe während des Spiels, taktisch und mental. Dazu kommt noch, dass wir uns gegenseitig sehr gut einschätzen können, da viele von uns auch privat in einer Mannschaft spielen und so zeigt sich nach den ersten paar gewonnen Spielen, dass wir so weit alles richtig machen. Der Tag vergeht, es wechseln sich Spiel und Pause relativ regelmäßig ab. Wir machen uns warm, spielen, gewinnen und setzen uns im Nachhinein zusammen, gehen das Spiel noch einmal durch. Es wird zur Routine und trotz eines anspruchsvollen und anstrengenden Halbfinalspiels sehen wir uns plötzlich im Finale der Mannschaft des HSV gegenüber.

Wir stehen auf dem Platz

Alle Leichtigkeit und Ruhe fällt von uns ab, wir stehen auf dem Platz, der Wind weht durch unsere Trikots. Wir stellen uns auf und beobachten unsere Gegner, jeder versucht diejenige zu identifizieren, an deren Fersen sie sich gleich heften muss und sie zu durchschauen. Wir warten auf den lang ersehnten Anpfiff um loszurennen und die nächsten 15 Minuten alles zu geben. Noch ist uns nicht klar, dass dieses Spiel nach den 15 Minuten noch lange nicht zu Ende sein wird. Nach dem Spiel kriegen wir zu hören, es sei unser bestes Spiel gewesen. Im Nachhinein kann man nicht mehr sagen, wie das Spiel genau abgelaufen ist. Wir erhalten gleich zu Anfang recht schnell unser erstes Gegentor und unsere Motivation fällt in den Keller. Genauso plötzlich kommt jedoch auch schon das Ausgleichstor und wir setzen von nun an alles daran dieses Unentschieden zu halten. Abpfiff, die erste Hürde ist geschafft, doch wird das Elfmeterschießen eine glückliche Wendung für uns nehmen?

Verantwortung beim Elfmeterschießen

Wir nehmen uns alle bei den Armen und bilden eine unzertrennbare Einheit. Jeder Schuss kann die Niederlage bedeuten. „Ich will die Verantwortung nicht übernehmen“, einige sprechen ihn aus, den Satz, der auch mir im Kopf schwirrt. Und schließlich der entscheidende Schuss. Estelle, unsere Torhüterin, hebt die Arme und lenkt ihn im letzten Moment ins Aus. Der Schiri zeigt an: Das Spiel ist hiermit beendet. Wir können es nicht glauben. Eine Sekunde lang herrscht Totenstille, doch plötzlich rennen wir los, wir fallen uns in die Arme und feiern diesen hart erkämpften Sieg.

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

Wir haben es geschafft. Wir fahren nach Berlin und werden dort unser Hamburg vertreten. Durch die ganze Kabine hallt nur noch „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“. Und auch die gesamte Rückfahrt lang schallen unsere Siegesgesänge durch Bus und Bahn. Wir haben das unmögliche möglich gemacht. Wir haben den stillen und verlassenen Plätzen Leben eingehaucht und es hat sich gelohnt, an unserem einen, großen Traum festzuhalten.

Seminay Tokmak

29. Mai
Seminay Tokmak
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